Analfissur

Eine Analfissur ist ein meist schmerzhafter oberflächlicher Einriss der Haut und der After-schleimhaut (Anoderm)

Ursache

Verantwortlich für die Entstehung einer Analfissur werden diskutiert:

Elastizitätsverlust der Analschleimhaut durch Reizzustände aufgrund von Begleit-erkrankungen (Hämorrhoiden, oberflächliche Fistelbildung sowie entzündliche Prozesse unter der Fissur mit der Folge von Mangeldurchblutung und Daueranspannung des inneren Schließmuskels.

Als weitere Ursachen können gewisse Sexualpraktiken und eine starke Dehnung der Haut beim Geburtsvorgang in Frage kommen.

Beschwerdebild:

Akute Analfissur

Typisch sind stechender Schmerz während und anhaltendes Brennen beim Stuhlgang. Der Schmerz führt zu einer reflektorischen Anspannung des Afterschließmuskels wodurch der Stuhl nur durch Pressen abgegeben werden kann. Gelegentlich treten schwache hellrote Blutungen auf.

Chronische Analfissur

Diese zeichnet sich durch eine geringere Schmerzintensität, jedoch stärkere Schmerzen einige Minuten nach dem Stuhlgang die auch stundenlang anhalten können.

Die schmerzbedingte Angst vor einer Stuhlentleerung bewirkt nicht selten eine häufige Einnahme von Latantien und die unzureichende Analhygiene ein Kontaktekzem des Perianalbereiches mit Brennen und Jucken.

Diagnose

Die Diagnose wird im allgemeinen durch die typischen anamnestischen Angaben des Patienten und durch die Inspektion gestellt. Das Erscheinungsbild der Analfissur ist eine spindelförmiger Schleimhautdefekt der meist bei 6 Uhr Steinschnittlage (zum Steißbein hin) und selten bei 12 Uhr Steinschnittlage (zum Damm hin) lokalisiert ist.

Bei frischen Analfissuren sind die Wundränder glatt und das umgebende Gewebe  erscheint gerötet aufgequollen

Die chronische Analfissur, die in der Regel nach 2 Monaten eintritt ist gekennzeichnet durch grauweiß aufgeworfene gelegentlich unterminierte Wundränder. Im Grund der Analfissur sind die quer verlaufenden Muskelfasern des inneren Schließmuskels zu erkennen.

Typisch für die chronische Analfissur sind weiterhin am oberen Ende eine auftretende Analpapille und am unteren Wundrand eine sichtbarer hahnenkammartige geschwollene Hautfalte (Vorpostenfalte, Mariske).

Bei der digitalen Untersuchung sind ein schmerzhaftes Geschwür oder ein derber schmerzhafter Strang sowie ein erhöhter Sphincterspasmus richtungsweisend.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch sollte ausgeschlossen werden.

  • Hämorrhoidalleiden
  • Analabszess (intersphinktär)
  • Unbestimmte Afterschmerzen (Coxalgia Fugax, Kokzygodynie)
  • Verletzungen
  • Entzündliche Dünn- und Dickdarmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Sexuell übertragene Erkrankungen (HIV-Infektion, Lues, Ulcus molle)

Grundsätzlich wird von uns eine gründliche proktologische Diagnostik vorgenommen auch im Hinblick zum Ausschluss der differentialdiagnostisch erwähnten Erkrankungen.

Therapie

Akute Analfissuren sprechen in der Regel auf eine konservative Behandlung an. Hierzu zählen unter anderem eine Analhygiene und Stuhlregulierung. Lokal kann zur Schmerzlinderung eine Salbe mit einem örtlichen Betäubungsmittel angewandt werden.

Corticoid haltige Salben sind kontraindiziert wegen bekannter Nebenwirkungen wie Wund-heilungsstörung, Schwächung der Immunabwehr und Hemmung der Eiweißsynthese.

Zusätzlich raten wir zur Applikation eines Analdehners um so eine Erweiterung des Schließmuskels zu erreichen.

Chronische Analfissuren

Falls die Symptome einer akuten Analfissur länger als zwei Monate anhalten empfehlen wir zusätzlich zu den oben erwähnten Maßnahmen die lokale Anwendung von Salben die eine Verbesserung der Durchblutung und Entspannung des Schließmuskels bewirken wie

Nitroglyzerin und Calziumkanalblocker. Berücksichtigt werden müssen die Nebenwirkungen auf das Herz- Kreislaufsystem und auftretende Kopfschmerzen.

Bei Versagen der lokalen konservativen Maßnahmen empfehlen wird alternativ die lokale Injektion von Botulinumtoxin in den inneren Schließmuskel die eine Verminderung der erhöhten Muskelanspannung bewirkt. Die Schmerzlinderung setzt bereits innerhalb der ersten beiden Tage ein und hält etwa 4 Wochen an.  Die Abheilungsrate beträgt ca 85%. Als Kontraindikationen bestehen Gerinnungsstörung und komplizierte Fistelbildungen.

Chirurgische Behandlungen betreffen die komplizierte chronische Fissur mit enbloc-Resektion der Fissur der begleitenden Analpapille und der Vorpostenfalte.

Die Teildurchtrennung der Schließmuskulatur, wie sie heute noch in angelsächsischen Ländern vorgenommen wird ist heute keine Behandlungsmöglichkeit mehr, da das Risiko der Entwicklung einer Stuhlinkontinenz besteht.