Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck)

Die arterielle Hypertonie ist weltweit der häufigste Risikofaktor für Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen. In Deutschland haben schätzungsweise ca. 30 Millionen Menschen einen zu hohen Blutdruck. Da mit zunehmendem Alter der Blutdruck durchschnittlich ansteigt, ist die Zahl der hochdruckkranken Patienten im Alter besonders hoch. Für die Bevölkerung im Alter zwischen 55 und 65 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, in der verbleibenden Lebenszeit einen Bluthochdruck zu entwickeln bei ca. 70%. Besonders Männer sind hiervon betroffen, so werden bei uns nahezu 90% der Männer im Alter von über 65 Jahren zu Bluthochdruckpatienten.

Allerdings gilt weiterhin: Nur die Hälfte der Bluthochdruckpatienten sind als solche identifiziert und wissen von dem erhöhten Risiko. Von diesen bekannten Bluthochdruckpatienten ist nur ca. die Hälfte überhaupt behandelt, von den Behandelten sind bei uns nur ca. 20% auch gut eingestellt. Dies bedeutet, dass von den ca. 30 Millionen Hochdruckpatienten in Deutschland nur ein winziger Bruchteil (ca. 10%) wirklich gut eingestellt sind. Entsprechend hoch ist die Rate der Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Einschränkungen der Nierenfunktion, und andere typische Bluthochdruck – bedingte Folgeerkrankungen.

Hauptgründe für die hohe Zahl an Hochdruckpatienten in unserem Land wie auch in den europäischen Nachbarländern und den Vereinigten Staaten sind Übergewichtigkeit und Bewegungsmangel. Allerdings sind die Zusammenhänge sehr viel komplizierter, es spielen auch Faktoren wie genetische Belastung, Geschlecht, Ernährung, Stress und hormonelle Einflüsse eine Rolle.

Die Definition und Klassifikation der verschiedenen Blutdruckkategorien ist in den letzten Jahren immer komplexer geworden. So sprechen wir heute von optimalem, normalem, noch-normalem Blutdruck und von verschiedenen Schweregraden der Hypertonie. Das den verschiedenen Klassen zugeordnete Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ist sehr unterschiedlich und muss für die Therapie-Strategie individuell berücksichtigt werden. So kann es sein, daß ein Blutdruck von 140/90mmHg (bislang als noch normal klassifiziert) für viele Patienten bereits zu hoch sein kann, und präventive und medikamentöse Maßnahmen angezeigt sind.

Wichtigste Basis für die Blutdruckdiagnostik sind die konventionellen Gelegenheitsblutdruckmessungen, die jedoch auch viele Nachteile haben wie z.B. die sogenannte „Weißkittel“- oder Praxis-Hypertonie, die eine exakte Bewertung des Blutdruckverhaltens sehr erschwert. Als wichtigstes Hilfsmittel steht hierbei die ambulante 24-Stunden-Blutdruckmessung zur Verfügung, die längst Einzug in den klinischen Alltag gehalten hat und ein sehr wichtiges Instrument für die Diagnostik und Behandlung der arteriellen Hypertonie darstellt. Durch die relativ hohen Messdichte von ca. 70 Messungen über 24 Stunden steigt die Sicherheit bei der Bewertung des wahren Blutdruckniveaus im Vergleich zur Einzelmessungen drastisch an. Mit der 24h-Blutdruckmessung können u.a. erfasst werden: Die durchschnittliche Blutdruckhöhe, Blutdruckschwankungen und Blutdruckvariabilität, Blutdruckanstiege, die nur in klinischer Umgebung auftreten (z.B. Praxis-Hypertonie), Fehlen oder Verminderung des normalen Blutdruckabfalls in der Nacht, Blutdruckanstiege z.B. am Morgen oder außergewöhnliche Blutdruckabfälle. Anhand der 24h-Blutdruckmessung sind Wirkdauer und Wirkstärke der Blutdruckmedikamente unter Berücksichtigung der Einnahmezeitpunkte besser zu erfassen, eine Optimierung von Dosis und Einnahmezeitpunkt der Medikamente ist nur mittels ambulanter 24h-Blutdruckmessung individuell lösbar. Somit gehört dieses Instrument regelhaft zur gründlichen Diagnostik und weiteren Versorgung eines Blutdruckpatienten.

Ungeachtet dieser technischen Entwicklungen ist die Blutdruckselbstmessung durch den Patienten ein sehr wichtiges Orientierungsmittel, überdies in den letzten Jahren durch die technische Entwicklung der Geräte und die günstigen Gerätepreise immer beliebter geworden. In Deutschland sind inzwischen mehrere Millionen Geräte in den Haushalten vorhanden. Hier ist ein großes Potenzial vorhanden, welches auch von ärztlicher Seite genutzt wird. Die Selbstmessung hat einen hohen Stellenwert in der dauerhaften Therapiekontrolle. Wichtig ist selbstverständlich eine gründliche Patientenanleitung, um auch zuverlässige Messungen zu erreichen.

Die Messung eines erhöhten Blutdrucks in der Praxis oder Klinik bedeutet noch keinen zuverlässigen Nachweis dafür, das tatsächlich eine echte arterielle Hypertonie vorliegt. Diese sogenannte Praxishypertonie betrifft immerhin 25% der vermeintlichen Hochdruckpatienten. Aber auch ein als normal klassifizierter Blutdruck in der Praxis garantiert nicht, das keine typischen Bluthochdruck-bedingten Organschäden vorliegen. In diesem Falle hilft erneut die 24h-Blutdruckmessung.

Neben der Klassifikation des Blutdrucks und der schließlich medikamentösen und auch nicht -medikamentösen Einstellung ist die Suche nach möglichen Bluthochdruckbedingten Endorganschäden wichtigstes Ziel der Diagnostik. Hier stehen im Vordergrund Veränderungen des Herzens, der Gefäße, der Nieren, und des Augenhintergrundes. Je nach Zustand der beschriebenen Organe und Organsysteme ist anschließend eine mehr oder weniger intensive Therapie erforderlich. Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Erfassung weiterer Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhte Cholesterinwerte, Nikotinkonsum und andere. Erst aus der Zusammenschau aller einwirkenden Risikofaktoren kann ein für den einzelnen Patientin individuelles Risikoprofil erstellt werden, welches mit einer recht guten Vorhersagewahrscheinlichkeit das Risiko gravierender Herz-Kreislauferkrankungen vorausbestimmen lässt. Überdies richtet sich die Frage der Behandlungsnotwendigkeit der einzelnen Risikofaktoren insbesondere nach Anzahl und Ausprägung der Risikofaktoren, d.h. umso intensivere Behandlung, je komplexer und vielfältiger die Risikofaktoren einwirken.

Durch den Einfluss des Bluthochdrucks kommt es zum Einen zur Veränderungen und Schäden an den kleinen Gefäßen (Mikroangiopathie), überdies zur Schädigung großer Gefäße (Makroangiopathie) sowie zur direkten Druckschädigung zahlreicher Organe. Folgeerkrankungen können z.B. im Bereich des Gehirns / Nervensystems ein Schlaganfall, Demenz oder auch Hirnblutungen sein. Das Herz wird in erster Linie durch die Erkrankung der Herzkranzgefäße / Herzinfarkt sowie durch die direkte Druckschädigung („Hochdruck-Herz“) und die sich hieraus entwickelnde Herzschwäche in Mitleidenschaft gezogen. Im Bereich der großen Schlagadern kommt es häufig zu Entwicklung großer Aussackungen (Aneurysma), die im Falle eines Einrisses zu mitunter tödlichen Blutungen führen.

Die Vielfalt der genannten Erkrankungen macht eine gründliche internistische / kardiologische Diagnostik erforderlich, auch die Auswahl der zur Einstellung notwendigen Medikamente richtet sich insbesondere nach Art und Ausmaß der Organschädigung. Am Anfang der Behandlung stehen grundsätzlich Lebensstiländerungen wie Gewichtsreduktion, Einschränkung der Kochsalzzufuhr, regelmäßige körperliche Aktivität und ggf. Einschränkung des Alkoholkonsums. In zahlreichen Fällen ist jedoch eine medikamentöse Therapie unumgänglich, der Wert dieser medikamentösen Behandlung ist durch zahlreiche Studien belegt und zeigt teilweise eine dramatische Reduktion des Schlaganfall- und Herzinfarktrisikos. Die blutdrucksenkende Therapie ist eine der erfolgreichsten therapeutischen Maßnahmen in der Medizin überhaupt. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen, sowohl für alte wie auch junge Hypertoniker. Die Ergebnisse aus kontrollierten Studien weisen eine langfristige Reduktion der Schlaganfallrate von 56%, der koronaren Herzkrankheit / Herzinfarkt von 37% und der übrigen gefäßbedingten Todesfälle von 20% aus. Die hochdrucksenkende Therapie ist bei Risikopatienten und im Alter besonders erfolgreich.

Angesichts der unzureichenden Behandlungsqualität in Deutschland besteht ein sehr großes Potenzial für eine Versorgungsverbesserung der Hypertoniker und für eine deutliche Reduktion der herz-kreislaufbedingten Sterblichkeit. Im Rhein-Main-Medical-Center bieten wir durch die intensive Zusammenarbeit der entsprechenden Spezialisten eine gründliche Diagnostik und sehr differenzierte, individuelle Therapie des Bluthochdrucks an. Nach erfolgreicher Einstellung kann die Therapie problemlos durch den weiterbehandelnden Hausarzt fortgesetzt werden.