Bisherige Interpretation der Knochendichtemessung

Bei der Interpretation der Knochendichtemessung durch die DXA Methode, sollte auf den T-Score geachtet werden.

Liegt der T-Score größer als -1,0, hat sich bisher kein Nutzen einer speziellen Osteoporosetherapie ergeben. Falls Frakturen ohne adäquates Trauma vorhanden sind, müssen die bisher erhobenen Befunde überprüft werden und andere Ursachen ausgeschlossen werden, insbesondere bei Rückenschmerzen. Bei hohem Sturzrisiko sollte eine Sturzprophylaxe nach Bedarf eingeleitet werden.

Liegt der T-Score zwischen -1,0 und -2,5, so handelt es sich um einen grenzwertigen Befund. In dieser Situation sollten klinisch stumme Wirbelkörperfrakturen radiologisch ausgeschlossen werden. Bei gesicherten Wirbelkörperfrakturen und einem T-Score zwischen -1,0 und -2,0 ist der Nutzen einer medikamentösen Therapie bisher nicht erwiesen.

Liegt der T-Score allerdings niedriger als -2,0 bei gesicherter Wirbelkörperfraktur, ist der Nutzen einer medikamentösen Therapie durch randomisierte kontrollierte Studien belegt. Hier muss eine Therapie erfolgen. In anderen Fällen bei peripheren Frakturen ohne ausreichendes Trauma und hohem Sturzrisiko sollte eine Sturzprophylaxe betrieben werden und ein abwartendes Verhalten ist möglich, allerdings sollte eine Kontrolle der Knochendichtemessung nach etwa einem Jahr erfolgen.

Liegt der T-Score kleiner als -2,5, so handelt es sich um einen behandlungsbedürftigen Befund. Hier ist der Nutzen einer medikamentösen Osteoporosetherapie bei Frauen mit und ohne Frakturen durch RCT’s belegt. Eine nicht medikamentöse Therapie sollte nach Bedarf eingesetzt werden. Bei Frauen ohne bisherige Frakturen sollten in Grenzfällen stumme Wirbelkörperfrakturen durch Röntgen der BWS und LWS in zwei Ebenen ausgeschlossen werden.

Interpretation der Knochendichtemessung nach den neuen Leitlinien

Eine medikamentöse Therapie sollte bei folgenden Bedingungen eingeleitet werden: Bei einem 20%igen Schenkelhalsfrakturrisikoäquivalent besteht eine relative und ab einem 40%igem eine absolute Therapieindikation. Dieses Risiko lässt sich primär aus dem Lebensalter, dem T-Wert der DXA-Messung und klinischen Zusatzrisiken ableiten.

Ein <20%iges 10-Jahres-Schenkelhalsfrakturrisikoäquivalent ist ab den folgenden Grenzwerten gegeben:

  • Lebensalter bis 64 Jahre und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -3,5,
  • Lebensalter 65-74 Jahre und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -2.5,
  • Lebensalter ab 75 Jahren und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -2,0,
  • Lebensalter bis 64 Jahre, prävalente Wirbelkörperfraktur und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -2,0.

Ein <40%iges 10-Jahres-Schenkelhalsfrakturrisikoäquivalent ist ab den folgenden Grenzwerten gegeben:

  • Lebensalter bis 64 Jahre und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -4,5,
  • Lebensalter 65-74 Jahre und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -3,5,
  • Lebensalter ab 75 Jahre und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -3,0,
  • Lebensalter bis 64 Jahre, prävalente Wirbelkörperfraktur und T-Score LWS oder Gesamtfemur < -3,0,
  • Lebensalter ab 65 Jahre, prävalente Wirbelkörperfraktur und T-Score LWS oder Gesamtfemur < 2,0.

Eine medikamentöse Therapie wird auch empfohlen, bei mehr als einer osteoporosetypischen Wirbelkörperfraktur unabhängig vom T-Score.

Beträgt das 10-Jahres-Schenkelhalsfrakturrisikoäquivalent nach obiger Tabelle mindestens 20% und liegt einer der folgenden klinischen Risikofaktoren zusätzlich vor, erhöhen sich das Gesamtfrakturrisiko und die Dringlichkeit einer Therapie entsprechend dem Ausmaß des zusätzlichen Risikos:

  • periphäre Fraktur nach einem Bagatelltrauma
  • Anamnese einer osteoporotischen Fraktur der Eltern
  • multiple Stürze
  • Nikotinkonsum
  • Immobilität

» Weiter mit der Röntgenuntersuchung

» Interpretation der Knochendichtemessung bei steroidinduzierter Osteoporose