Osteoporose
Diagnose und Therapie gemäß der Leitlinien
von Prof. Dr. Dr. E. Keck, Wiesbaden
Diagnose
Die neu erstellten Leitlinien, so weit sie bisher bekannt sind, weichen von den
bisherigen deutlich ab.
Eine Basisdiagnostik wird empfohlen, wenn das 10-Jahres-Risiko für
Schenkelhalsfrakturäquivalente unter der Ausschöpfung der Allgemeinmaßnahmen zur
Osteoporose-Frakturprophylaxe 20% überschreitet. Schenkelhalsfrakturäquivalente
wichten osteoporotische Frakturen in Bezug auf die Funktionalität und die
Lebensqualität. Die Leitlinien berücksichtigen Wirbelkörperfrakturen mit einem
Wichtungsfaktor von 0,6 und Schenkelhalsfrakturen mit einem Wichtungsfaktor von 1,0.
Das 10-Jahres-Risiko wird maßgeblich vom Lebensalter bestimmt. In der Altersgruppe
von 70-75 Jahren liegt das mittlere 10-Jahres-Frakturrisiko zwischen 10% und 20%. Es
kann 20% überschreiten, wenn gleichzeitig mindestens einer der folgenden
Risikofaktoren vorliegt:
- Periphere Fraktur nach einem Bagatelltrauma,
- Anamnese einer osteoporotischen Fraktur beider Eltern,
- multiple Stürze,
- Nikotinkonsum,
- Immobilität,
- therapierefraktäres Untergewicht (BMI<20).
Ab einem Alter von 75
Jahren beträgt das 10-Jahres-Frakturrisiko für Schenkelhalsfrakturäquivalente auch ohne
zusätzliche Risikofaktoren mehr als 20%. Eine oder mehrere osteoporose-typische
Wirbelkörperfrakturen, die klinisch oder als radiologischer Zufallsbefund aufgefallen
sind, sind bereits bei Frauen ab der Menopause oder bei Männern ab 60 Jahren
eine Indikation für eine weiterführende Diagnostik. Bei einer peripheren Fraktur
nach einem Bagatelltrauma bis zu einem Alter von 70 Jahren ist das Risiko oft
kleiner als 20%. Als Ausdruck einer klinischen manifesten Osteoporose sollte
hier bezüglich einer Basisuntersuchung eine Einzelfallentscheidung getroffen
werden.
Die empfohlene Basisdiagnostik besteht aus Anamnese, klinischem Befund, Labor,
einer DXA-Knochendichtemessung und gegebenenfalls einer Röntgenuntersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule.
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