Perforansvenen sind Verbindungsvenen zwischen dem oberflächlichen und tiefen Venensystem. Durch die Venenklappen in diesen Verbindungsvenen wird die Blutströmung beim Gesunden in eine Richtung von außen nach innen geleitet. Diese Verbindungsvenen haben bei allen Venenerkrankungen infolge einer Schlüsselstellung eine wichtige Bedeutung. Unter krankhaften Bedingungen ist die von außen nach innen gerichtete Blutströmung aufgehoben. Von den ca. 150 Perforansvenen sind nur einige im Ober- und Unterschenkelbereich wichtig (Schlüsselperforantes).

Unter den Schlüsselperforantes sind die Cockett-Perforansvenen an der Innenseite des Unterschenkels von Bedeutung. Diese Verbindungsvenen sind bei verschiedenen Krank-heitsbilder beteiligt und sind dann unmittelbare Ursache für die Entwicklung einer sogenannten chronischen venösen Insuffizienz mit allen ihren Komplikationen bis hin zum Beingeschwür (ulcus cruris).

Die Diagnose einer krankhaft veränderten Perforansvene wird durch das klinische Bild mit örtlicher Pigmentstörung, Gewebsverhärtung und Vorwölbung der Vene über das Hautniveau (blow out), die Duplexuntersuchung oder die Phlebographie gestellt.

Behandlung der Perforansvenen

Die operative Therapie ist derzeit die Behandlungsmethode der Wahl. Sie muß in der Regel aber als ein Teil der Behandlung eines Venenleidens mit einem sogenannten Rezirkulations- oder Privatkreislaufes angesehen werden. Für die operative Behandlung der krankhaft veränderten Verbindungsvenen stehen folgende Methoden zur Verfügung.

1. gezielte Unterbindung der Verbindungsvene über einen Hautschnitt (subfasciale Dissektion). Diese Operationsmethode ist mit folgenden Komplikationen behaftet: Wundheilungsstörung, Nervenverletzung (n.saphenus) und Lymphfistel.

Die genannten Komplikationen lassen sich durch besondere Vorsichtsmaßnahmen und Operationstechnik reduzieren.

2. endoskopische Perforansunterbindung Über einen Hautschnitt von ca. 2cm Länge an der Innenseite des oberen Unterschenkel wird ein spezielles Endoskop unter die Unterschenkelfascie eingebracht. In dem lockeren Gewebe zwischen Muskulatur und Fascie können meist alle krankhaft veränderten Perforansvenen bis hin zur Knöchelregion erkannt und durchtrennt werden. Die Durchtrennung wird nach Verschließen der Venen durch Strom oder Clips vorgenommen. Falls erforderlich kann über dem gleichen Zugang eine endoskopische Durchtrennung der Fascie angestrebt werden um eine Verbesserung der Durchblutung zu erzielen. Die endoskopische Operation kann auch durch Einbringen von Gas (CO2) ausgeführt werden. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt in einer besseren Übersichtlichkeit.

Vorteile:

  • ohne eine weiteren Hautschnitt ist die Operation bei der Stammvenenentfernung am Oberschenkel möglich, kosmetische Vorteile
  • meist können alle maßgeblichen Perforansvenen gesehen werden durch das subfasciale Vorgehen können die Nebenäste der Perforansvenen mitdurchtrennt werden, die Operation ist radikaler
  • begleitende Arterien und Nerven werden identifiziert und deren Verletzungsmöglichkeit ist geringer
  • die Operation ist selbst bei ausgedehnten Veränderungen der Haut und des Unterhautgewebes möglich
  • der Hautschnitt für die Operation wird fernab von entzündlichen Hautveränderungen angelegt. Die hohe Rate von Wundkomplikationen ist somit deutlich verringert.

Komplikationen:

Der endoskopischen Perforansdissektion muß wie bei jedem Operationsverfahren eine wenn auch vergleichbar geringe Komplikationsrate zugeordnet werden.

  • Blutergußbildung
  • Wundentzündung
  • Gefühlsstörungen
  • dumpfe Schmerzen

Nachbehandlung:

Nach der Operation ist es zur Vermeidung eines Blutergusses und einer Schwellung erforderlich einen Kompressionsverband für 5-7 Tage an zu legen. Alternativ kann ein  Kompressionsstrumpf der Klasse 2 verordnet werden.

Ergebnisse:

Die endoskopische Perforansdissektion ist eine ergänzende Operationsmethode vor allem bei venös bedingten chronischen Gewebsveränderungen. Die Vorteile überwiegen bei weitem und die Komplikationsmöglichkeiten sind gering. Überzeugend sind die geringen Wundheilungsstörungen und die niedrigen Rezidivraten.