Sekundäre Lymphödeme

Die sekundären Lymphödeme treten etwa doppelt so häufig auf wie primäre Lymphödeme. Die meisten sekundären Lymphödeme beginnen meist zentral d.h. am Oberarm und Oberschenkel im Gegensatz zum primären Lymphödem das zunächst körperfern auftritt. Die erworbene Schädigung das Lymphsystems kann die Folge sein von:

  • Operationen
  • Röntgenbestrahlung
  • Unfällen
  • Entzündungen (Erysipel)
  • Parasiten (Fillariosis)
  • Tochtergeschwulste (Metastasen)
  • Selbstschädigung

Die häufigsten sekundären Lymphödeme werden nach Operationen oft in Kombination nach Bestrahlung gesehen. Da bösartige Tumore überwiegende Tochtergeschwulste (Metastasen) über den Lymphweg bilden, wird bei einer Tumoroperation die zugehörigen ableitenden Lymphknoten aus Gründen der Diagnose und der weiteren postoperativen Behandlung mit entfernt.

Klinik

Das Krankheitsbild lässt sich aufgrund der Krankengeschichte und des typischen Erscheinungsbildes stellen mit körpernahem Beginn. Die Manifestation nach Operation oder Bestrahlung kann sofort auftreten oder nach unterschiedlich langen Zeitintervallen. Bei einer relativ späten Entwicklung eines sekundären Lymphödems muß ein Rezidiv eines Tumors in Erwägung gezogen werden. Bezeichnend ist der teigige Charakter der Haut ohne Dellenbildung auf Fingerdruck.

Sekundäres Armlymphödem

Dies ist die häufigste Form des sekundären Lymphödems, das vor allem nach Brustkrebsoperationen mit Ausräumung der Achsellymphknoten auftritt. Zu Beginn ist dieses Lymphödem auf den Oberarm beschränkt. In schweren Fällen sind der ganze Arm und die Hand betroffen.

Das Risiko, dass ein sekundäres Lymphödem sich einstellt, ist abhängig von der angewandten Operationstechnik und der Anzahl der entfernten Lymphknoten. Das Risiko für ein sekundäres Lymphödem nach einer Brustoperation mit Entfernung der Achsellymphknoten und anschließender Röntgenbestrahlung betrug früher 40%. Mit Einführung der brusterhaltenden Eingriffe konnte das Risiko wesentlich vermindert werden. Durch neue Operationsmethoden mit Entfernung von einem oder zwei Wächterlymphknoten (sentinel lymph node) ist das Risiko auf ca. 3% anzusetzen. Das sekundäre Armlymphödem muss von einem vorübergehenden postoperativen Oberarmödem unterschieden werden, das sich erfahrungsgemäß nach Wochen zurückbildet.

Sekundäre Beinlymphödeme

Die Ursache für die Ausbildung eines Beinlymphödems liegt meist in einer Lymphknotenentfernung und Bestrahlung wegen eines bösartigen Tumor im Bereich des kleinen Beckens oder der Leistenregion. So nach Operationen wegen eines Enddarm- oder Blasentumors, bei Frauen wegen eines bösartigen Gebärmutter- oder Eierstocktumors und bei Männern wegen eines bösartigen Hoden- oder Prostatatumors. Seltene Ursachen sind:

  • komplizierte Knochenbrüche
  • Krampfaderoperationen
  • Venenentnahme bei Bypass-Operation
  • Bypass-Operation wegen Gefäßverkalkung

Lymphocele

Eine Lymphocele ist definitionsgemäß eine Ansammlung von Lymphflüssigkeit in einem anatomisch nicht vorgegebenem Raum. Die Höhle ist nicht von Gefäßinnenhaut (Endothel) augekleidet. Lymphocelen können sich nach Operationen durch unzureichende Unterbindung der Lymphgefäße oder durch Zerreissung der Lymphgefäße nach Verletzungen eintreten. Lymphocelen bilden sich meist spontan nach Wochen zurück. In seltenen Fällen ist eine operative Revision oder auch eine Verödungsbehandlung notwendig.

Therapie des sekundären Lymphödems

Die Behandlung des sekundären Lymphödems ist prinzipiell identisch mit der des primären Lymphödems. Therapieziele sind

  • Verminderung des Ödems und seiner Beschwerden
  • Reduzierung von Ödemkomplikationen
  • Wiederherstellung der Funktion der Gließmaße
  • Wiederherstellung der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit

Zentraler Schwerpunkt einer physikalischen Behandlung ist die komplexe Entstauungstherapie. Wir empfehlen, dass die manuelle Lymphdrainage im Durchschnitt je nach Ödemstärke 30-60 Minuten dauern sollte und unter ambulanten Bedingungen zweimal wöchentlich durchgeführt wird. Beim einseitigen Lymphödem der Beine oder Arme ist eine Behandlung zur gesunden Seite sinnvoll, um den Abfluss über Lymphgefäßverbindungen (Anastomosen) zu fördern. Die Lymphödembehandlung erfolgt in zwei Phasen:

  1. die Reduktionsphase, in der das Ödem vermindert wird
  2. die Erhaltungsphase, in der die Reduzierung des Ödems gehalten wird

In der Reduktionsphase sollte die Kompressionsbehandlung durch Bandagierung erfolgen. Die Bandagen müssen so angelegt sein, dass das Druckgefühl in Ruhe bei Bewegung verschwindet. Die Kompressionsbestrumpfung der Beine und Arme in der Phase der Erhaltung wird in der Regel für Arme eine Bestrumpfung der Klasse II und für die Beine eine Bestrumpfung der Klasse III verordnet. Die Bestrumpfungen müssen individuell nach Maß vorgenommen werden.

Radikale Operationen mit Entfernung von ödematösen Gewebe, Hautlappenplastiken, Einlage von Drainagen haben keinen positiven Effekt auf das Lymphödem gezeigt sind verstümmelnd und werden nicht empfohlen. An modernen operativen Verfahren stehen zur Verfügung:

  • Transplantation von Lymphgefäßen
  • Umleitung von Lymphgefäßen
  • Verbindungen zwischen Lymphgefäßen zu Venen
  • gewebabsaugende Verfahren

Die Ergebnisse der Lymphgefäßoperationen sind zum Teil widersprüchlich und bei den gewebabsaugenden Verfahren anders als bei Lipödem nicht überzeugend.