Während in den letzten Jahren zahlreiche Publikationen über postmenopausale Osteoporose und corticoidinduzierte Osteoporose erscheinen und auch Leitlinien für die Diagnostik und Therapie dieser Osteoporosen verfasst wurden, spielte die Posttransplantationsosteoporose eine deutlich weniger wichtige Rolle. Dies liegt daran, dass zum einem die Anzahl der Erkrankten deutlich geringer ist und zum anderen die Ursachen für die Posttransplantationsosteoporose vielfältig und häufig noch nicht mit ausreichender Sicherheit bekannt sind. Ursache hierfür ist, dass die Pathoäthiologie und der Schweregrad der sich entwickelnden Posttransplantations-Osteoporose sowohl durch die zur Transplantation führenden Grunderkrankungen (Herz, Leber, Niere, Knochenmark) als auch durch die sich anschließende immunsuppressive Therapie bedingt werden.

Herztransplantation

Etwa 80-90% der Patienten entwickeln im Verlaufe des ersten Jahres nach einer Herztransplantation eine Posttransplantationsosteoporose. Wirbelkörperfrakturen finden sich bei etwa 8-38% aller entsprechenden Patienten, allerdings ist auch schon vor der Transplantation in Abhängigkeit von dem Krankheitszustand mit einer Osteoporose zu rechnen. Postoperativ führt hauptsächlich die immunsuppressive Therapie zu einem zusätzlichen Knochenmineralverlust. Weitere Ursachen sind häufige Bettlägerigkeit und mangelnde körperliche Aktivität, die im Einzelfall unterschiedlich zu den obrigen Faktoren des Knochenmineralverlust beitragen. Dieses wird besonders deutlich durch den raschen Mineralverlust in den ersten sechs Monaten nach der Transplantation, in denen hohe immunsuppressive Therapien durchgeführt werden müssen. Da es sich bei der immunsuppressiven Therapie um eine Kombinationstherapie handelt, ist der Einzeleffekt der jeweils verabreichten Substanzen nur sehr schwer abzuschätzen. Unterschieden werden muss auch zwischen der Abstoßungstherapie mit hohen Corticoiddosierungen und der Langzeittherapie mit deutlich niedrigeren Dosierungen. Aus diesen Gründen müssen zur Minderung des Posttransplantationsosteoporoserisikos sowohl prä- als auch postoperative Screeningverfahren, Präventionsmaßnahmen und therapeutische Maßnahmen durchgeführt werden.

Posttransplantations-Osteopenie nach Nierentransplantation

Während präoperativ bei der Herztransplantation nur relativ selten eine relevante Osteopathie nachgewiesen werden kann, finden sich bei der Nieren- und Lebertransplantation bereits vor der Transplantation sehr häufig erhebliche Osteopenien. Diese können durch die vorliegenden Nierenfunktionsstörungen zu unterschiedlichen Knochenstoffwechselstörungen führen. Es finden sich sowohl reine Osteoporosen, Osteomalazien, als auch Fibroosteoplasien, sowie high- und low-turnover Situationen. Durchschnittlich findet sich bei etwa 30% der Patienten nach Nierentransplantationen ein deutlich vermindertes Knochenvolumen. Postoperativ addieren sich zu diesen Störungen des Kochenstoffwechsels noch die Effekte der immunsupressiven Therapie durch Cyclosporin A und Cortison. Spontanheilungen der renalen Osteopathien nach Nierentransplantationen kommen eher selten vor. Das Spektrum der Osteopathien ist jedoch abhängig vom Zeitpunkt der Transplantation. Es wandelt sich von der Fibroosteoklasie und gemischten Osteopathie hin zur Mineralisationsstörung und Osteoporose.