Kyphoplastie und Vertebroplastie

Diese operativen Methoden dienen der Wiederaufrichtung und Stabilisation kranker und eingebrochener Wirbelkörper. Hier werden bei der Vertebroplastie die Wirbel durch Einbringen von Knochenzement stabilisiert. Bei der Kyphoplastie werden die Wirbelkörper zu vor durch einen in den Wirbelkörper eingebrachten Ballon aufgerichtet und anschließend in den dann entstandene Höhle durch Einbringen von Knochenzement stabilisiert. Dieses moderne Operationsverfahren zur Stabilisierung kranker und eingebrochener Wirbelkörper im Bereich der Brust und Lendenwirbelsäule wird minimal invasiv unter Röntgenkontrolle ausgeführt. Die Vertebroplastie ist 1987 entwickelt worden, die Kyphoplastie 1998. Nur bei den Patienten die bei osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen durch eine adäquate Schmerzbehandlung und Physiotherapie nicht beschwerdefrei werden und dann unter chronischen Rückenschmerzen leiden, besteht die Indikation zur Durchführung einer Vertebroplastie oder Kyphoplastie. Insbesondere sollte an diese Methode gedacht werden bei frischen Osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen oder bei Wirbelkörpereinbrüchen, hervorgerufen durch Tumore oder Metastasen.

Bedingt durch die immer älter werdende Bevölkerung steigt die Zahl der Osteoporotischen Wirbelkörperfrakturen in unserem Lande immer weiter. Ca. 5-6 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem krankhaften Knochenschwund (Osteoporose), die Wirbelkörperfrakturen sind bei den Osteoporosepatienten die häufigsten Komplikationen.

Kyphoplastie

Mit der Kyphoplastie steht mittlerweile eine erfolgsreiche Operationsmethode zur Verfügung, welche die Stabilität des Wirbelkörpers wieder herstellt. Die Kyphoplastie führt zu einer erheblichen Schmerzreduktion und verhindert ein weiteres Einbrechen des vorgeschädigten Wirbelkörpers und eine damit sich weiter verschlechternde Statik der Wirbelsäule. Durch die Möglichkeit der Bild gebenden Verfahren im Bereich der Wirbelsäule durch Computer und insbesondere Kernspintomographie lassen sich die krankhaften Veränderungen der Wirbelsäule schneller feststellen und einer entsprechenden Behandlung zuführen.

Bedingt durch die Knochendichtemessung und die mittlerweile mögliche rechtzeitige Behandlung zur Vermeidung der Osteoporose wird sich die Anzahl der Wirbelbrüche in unserer Bevölkerung reduzieren lassen. Vorausgesetzt sind eine rechtzeitige Bestimmung der Knochendichte und eine rechtzeitige Einleitung der richtigen Behandlung. Bei unfallbedingten Wirbelkörperfrakturen ist die Methode der Kyphoplastie nur durchführbar wenn die hintere Wirbelkörperkante und die übrigen Wirbelkörperstrukturen (Wirbelbogen) unverletzt geblieben sind. Ansonsten sind bei diesen Verletzungen operative Stabilisierungsmaßnahmen notwendig. Bei neoplastischen Wirbelkörpereinbrüchen und bei Hämangiomwirbeln hat sich die Kyphoplastie bewährt, diese wird insbesondere bei gestreuten Tumorbefallen durch osteolytische (knochenauflösende) Tumoren angewandt. Der Vorteil in der Methode ist die schnelle Schmerzreduktion und der Erhalt der Lebensqualität bei nicht zu heilenden Erkrankungen.

Durchführung der Operation

Die Kyphoplastie wird in Vollnarkose oder lokaler Betäubung ausgeführt. Unter Bildwandlerkontrolle wird über eine Stichinversion eine Hohlnadel in den frakturierten Wirbelkörper hineingebracht. Als Leitstruktur zum Einbringen der Hohlnadel dient der Wirbelpedikel, bei richtiger Platzierung der Hohlnadel und korrekter Kontrolle der Lage sind Verletzungen des Rückenmarks weitgehend ausgeschlossen. Meistens werden die Wirbelkörper durch Einbringen von Ballonkatheter in beide Wirbelpedikel aufgerichtet durch Kontrastmittel in den Ballonkatheter wird der eingebrochene Wirbelkörper angehoben bis eine ausreichende Korrektur erreicht ist. Nach der Aufrichtung des Wirbelkörpers wird der Ballon entfernt und in den dann entstandenen knöchernen Hohlraum zählflüssiger Knochenzement unter niedrigen Druck eingebracht. Die Operationsdauer richtet sich nach der Anzahl der zu operierenden Wirbelkörper. Pro Wirbelkörper sind ca. 30-45 Minuten Operationszeit notwendig. Die Patienten sind schon am Folgetag der Operation mobilisierbar. Es zeigt sich eine deutliche Schmerzreduktion.

Vertebroplastie

Bei der Vertebroplastie wird der Wirbelkörper ohne vorherige Aufrichtung mit Zement gefüllt. Da hier der Zement unter hohem Druck eingebracht werden muss, besteht die Gefahr des Austritts des Knochenzements aus dem Wirbelkörper und damit Druck auf umliegende Strukturen. Die Kyphoplastie ist mit einer Nebenwirkungsrate von ca. 0,2% pro Fraktur als risikoarmes Verfahren zu bezeichnen. Der Austritt von Knochenzement aus dem Wirbelkörper ist bei der Kyphoplastie gegenüber der Vertebroplastie deutlich reduziert.

Komplikationen

Folgende Komplikationen sind bei diesen Methoden beschrieben: Es kann Knochenzement aus dem Wirbelkörper austreten und in den Rückenmarkskanal eindringen, es kann zu einer Blutung in dem epiduralen Raum kommen durch den eingebrachten Knochenzement kommt es in seltenen Fällen zu Lungenembolie, Fettembolien sind beschrieben, es sind Wirbelkörperfrakturen anliegende Wirbelsegmente beschrieben und in seltenen Fällen kann es zur Störung des Rückenmarks beim Aufrichten oder Zementieren kommen. Sowohl für die Kyphoplastie als auch die Vertebroplastie werden vergleichbar gute Ergebnisse Betreff der Schmerzreduktion angegeben, eine Schmerzreduktion sollte im 80-95% der Fälle mit beiden Verfahren erreicht werden. Die Schmerzreduktion wird erreicht durch eine Stabilisierung des Wirbelkörpers, wodurch die Irritation von Nervenfasern der Knochenhaut des Wirbelkörpers vermindert werden.

Erfolgsaussichten

Durchschnittlich kann durch das Einbringung von Knochenzement und das Wiederaufrichten des Wirbelkörpers der Höhenverlust der Wirbelsäule um 50% verringert werden und das weitere Einsintern des Wirbelkörpers wird in den meisten Fällen vermieden. Der beste Zeitpunkt für die Durchführung der Kyphoplastie ist in den ersten Wochen nach der Fraktur. Zusammenfassend ist zu sagen, dass sowohl die Kyphoplastie als auch die Vertebroplastie die geeigneten Methoden zur Behandlung von Wirbelkörperbrüchen darstellen bei vergleichweise geringem Risiko und einer schnellen postoperativen Mobilisierung der Patienten.