(Verkalkung/Verengung der Herzkranzgefäße)

Bei der koronaren Herzkrankheit besteht in der Regel eine Verengung oder gar eine Verschluss der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel mit lebensnotwendigen Sauerstoff und anderen Energieträgern versorgen. In seltenen Fällen spielen entzündliche Gefäßerkrankungen eine Rolle, dasselbe gilt für Embolien oder andere Sonderformen der koronaren Herzkrankheit. Als Folge der genannten Veränderungen kommt es zur Unterversorgung des Herzmuskels, auch als Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur definiert. Entsprechend schwere Veränderungen an den Herzkranzgefäßen führen in der Regel auch zu schweren Funktionsstörungen, Folge können die Ausbildung einer gravierenden Herzschwäche oder auch das Auftreten eines Herzinfarktes sein.

Die Entstehung der Arteriosklerose – in diesem Falle der Herzkranzgefäße – wird durch zahlreiche Risikofaktoren beeinflusst. Ältere Menschen und Männer haben ein höheres Risiko als jüngere Menschen und Frauen. Auch die genetische Belastung gehört zu den nicht beeinflussbaren Risikofaktoren. In den letzten Jahren mehren sich die Erkenntnisse, dass gerade die genetische Vorbelastung einen ganz wesentlichen Risikofaktor bei der Entstehung der koronaren Herzkrankheit darstellt. Es gibt jedoch auch beeinflussbare Risikofaktoren, wie z.B. die arterielle Hypertonie, erhöhte Cholesterinwerte, Nikotinkonsum und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Wichtig ist, dass die Anhäufung verschiedener dieser Risikofaktoren zu einer dramatischen Potenzierung des Risikos führt. So erhöht die arterielle Hypertonie als einziger Faktor das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um den Faktor 2 bis 3, bei gleichzeitigem Rauchen, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes mellitus steigert sich das Risiko um den Faktor 10. Folglich gilt es bereits vor auftreten der ersten Symptome durch eine Prävention die therapeutischen Maßnahmen auf diese beeinflussbaren Risikofaktoren zu konzentrieren.

Hypertonie

Zahlreiche Studien bei Hochdruckpatienten haben den Einfluss einer blutdrucksenkenden Therapie auf die Herzkreislaufsterblichkeit und die koronare Herzkrankheit untersucht. Auch bei nur mildem Bluthochdruck führt eine 4- bis 5-jährige blutdrucksenkende Therapie schon zu einer deutlichen Reduktion des Risikos für die Herzkreislaufsterblichkeit. Besonders günstig wird insbesondere die mögliche Entwicklung einer Herzschwäche beeinflusst.

Hypercholesterinämie (Erhöhung der Cholesterinwerte)

Erhöhte Cholesterinwerte gelten als eine der wesentlichsten Risikofaktoren für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit. So wurde in zahlreichen großen Studien eindrucksvoll dokumentiert, dass ein erhöhtes Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin sowie ein niedriges HDL-Cholesterin unabhängige Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit sind. Erhöhte Triglyceride sind als unabhängiger Risikofaktor weniger sicher dokumentiert. Es ist jedoch erwähnenswert, dass erhöhte Triglyceridwerte meist mit niedrigem HDL-Cholesterin einhergehen. Aus zahlreichen Studiendaten wird deutlich, dass Patienten mit mäßig erhöhtem LDL-Cholesterin, aber hohem HDL-Cholesterin ein nur sehr geringes Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit haben, während das Risiko bei Patienten mit niedrigem HDL-Cholesterinspiegel sich fast verdoppelt. Bei einem LDL-Cholesterinwert von beispielsweise 220 mg/dl kann ein niedriger HDL-Cholesterinwert sogar zu einer Verdreifachung des Risikos führen.

Unumstritten ist der Wert einer cholesterinsenkenden Therapie bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder bei denen eine koronare Herzkrankheit bereits als gesichert gelten kann. Weiterhin heiß diskutiert wird insbesondere in der Laienrpresse der Wert einer vorsorglichen cholesterinsenkenden Behandlung, also noch vor Bekannt werden einer entsprechenden koronaren Herzerkrankung. In diesem Falle empfiehlt es sich, über eine gründliche Diagnostik ein genaues Zustandsbild der Ge-fäße des Körpers zu erhalten, beispielsweise durch Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagadern und auch der Bauchschlagader wie auch beispielsweise durch Messung des Kalkgehaltes der Herzkranzgefäße mittels CT. Sollte sich in den genannten Untersuchungen eine deutlich überaltersgemäße Arteriosklerose zeigen, wäre die Einleitung einer entsprechend cholesterinsenkenden Therapie in diesem Stadium bereits von großem Nutzen. Im Rahmen ihrer Diagnostik im RMMC wird auf diesen Aspekt besonderen Wert gelegt, um einerseits eine unnötige Medikamentenbehandlung zu vermeiden, andererseits aber alle diejenigen Patienten zu erfassen, die von einer solchen Therapie in besonders hohem Maße profitieren.

Zigarettenrauchen (Nikotinkonsum)

Pro 10 Zigaretten täglich erhöht sich die Sterblichkeit kardiovaskulärer Erkrankungen um 18% bei Männern bzw. um 31% bei Frauen. Die Beendigung des Zigarettenrauchens für den jedem Alter und auch nach langen Jahren des Rauchens zu einer längeren Lebenserwartung mit zunehmend langer Abstinenz kann die Lebenserwartung kontinuierlich verbessert werden, normale Werte werden statistisch allerdings nicht erreicht.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Die Folgen der Arteriosklerose sind die häufigsten Todesursachen von Patienten mit Diabetes mellitus (ca. 80%). Nahezu zweidrittel der Diabetespatienten sterben am akuten Herzinfarkt. Insbesondere das sehr häufig kombinierte Auftreten von Zuckerkrankheit, Störungen des Fettstoffwechsels, häufig begleitender arterieller Hypertonie beschleunigt die Alterung der Gefäße enorm. Die koronare Herzkrankheit bei Diabetikern ist oft diffus ausgeprägt und schwerer zu behandeln. Erschwerend kommt hinzu, dass Durchblutungsstörungen bei Diabetikern besonders häufig keine Symptome verursachen, somit erst spät erkannt werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer sehr strengen Diabetes-Einstellung, um bei häufig jahrzehntelangem Krankheitsverlauf die Entwicklung entsprechender Herzkreislauferkrankungen zu verringern.

Weitere Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit

Übergewicht führt zu einem erhöhten Arteriosklerose-Risikoprofil (Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörung) und ist deshalb wohl kein unabhängiger Risikofaktor. Eine vorwiegend bauchbetonte Fetteinlagerung zeigt jedoch das stärkste Risiko an (daher bei uns Regelhaftmessung des Bauchumfanges). Das Alter ist eine der wesentlichen Risikofaktoren. Bei Männern beginnt der Anstieg des Risikos mit 30 Jahren, bei Frauen nach Eintreten der Wechseljahre. Nach dem 60. Lebensjahr ist die Sterblichkeit bei Männern und Frauen gleich. Auch soziale Faktoren (hohe berufliche Anforderungen, unerwünschte lebens verändernde Ereignisse), Persönlichkeitsmerkmale und anderes können ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung darstellen.

In den westlichen Industrieländern ist die koronare Herzkrankheit immer noch die häufigste Todesursache. Während in den USA in den letzten 25 Jahren die Sterblichkeit der koronaren Herzkrankheit aus unterschiedlichen Gründen deutlich abgenommen hat (bessere Prävention, optimierte Therapie, weniger Raucher), ist dieser Trend in den westeuropäischen Industriestaaten nicht in gleicher Weise eingetreten. Ca. 25% aller Männer unter 65 Jahren erleiden Herzkreislauferkrankungen, die ganz überwiegende Mehrheit hiervon (ca. 80%) entfallen auf eine koronare Herzkrankheit. Bei den über 65-jährigen leidet etwa die Hälfte an Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, wobei der Anteil der koronaren Herzkrankheit weiter ansteigt.

Frauen sind bis zum Eintreten der Wechseljahre von einer koronaren Herzkrankheit weniger betroffen, im höheren Alter gleichen sich die Zahlen denen der Männer an. Bei mehr als der Hälfte der Patienten sind ein Herzinfarkt oder ein plötzlicher Herztod die ersten Zeichen der koronaren Herzkrankheit. Die typische Brustenge (Angina pectoris) vor dem Infarkt hat nur jeder zweite Patient. Der Herzinfarkt hat durch eine deutliche Verbesserung der Akuttherapie zwar ebenfalls eine Verbes-serung der Prognose erfahren, dennoch liegt die Sterblichkeit bei nahezu 30% innerhalb der ersten Stunde. Nach Erreichen einer entsprechend spezialisierten Klinik hat der Patient jedoch heutzutage deutlich bessere Chancen den Infarkt zu Überleben, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Prognose ist vom Ausmaß der Durchblutungsstörung sowie insbesondere von dem Auftreten von begleitenden Herzrhythmusstörungen abhängig.

Während der akute Herzinfarkt die Domäne entsprechend spezialisierter Kliniken ist, stellt das chron-ische Stadium nach Entlassung aus dem Krankenhaus eine große Herausforderung für die weiterbe-handelnden Ärzte dar. Die weitere Lebensprognose ist nämlich stark abhängig von der Güte der medikamentösen Einstellung sowie der Beeinflussung der kardiovaskulären Risikofaktoren. Entsprechend intensiv werden die betroffenen Patienten auch im RMMC von spezialisierten Ärzten betreut.